Was eine Powerstation im Blackout wirklich leistet
Eine Powerstation hält im Stromausfall Licht, Router, Handys und mit Abstrichen den Kühlschrank am Laufen. Was sie nicht kann: heizen, kochen und Warmwasser machen. Das sind die drei Dinge, die im Winter zuerst wehtun, und sie brauchen ein Vielfaches der Energie, die ein tragbares Gerät speichert. Das BBK rechnet damit, dass ein Ausfall in der Regel in wenigen Stunden behoben ist, bei großflächigen Schäden aber Tage dauern kann. Für die ersten Stunden ist eine Powerstation die bequemste Lösung, für Tage braucht es zusätzlich Solar und einen Plan für Wärme.
Was zuerst ausfällt
Das BBK listet auf, was ein Stromausfall im Haushalt trifft: Kühlschrank und Herd fallen aus, Licht und Heizung funktionieren nicht mehr, aus der Leitung kommt kein Wasser, Internet und Mobilfunk sind gestört.
Die meisten Menschen unterschätzen zwei Punkte dieser Liste.
Die Heizung. Eine Gastherme verbrennt Gas, aber die Steuerung und die Umwälzpumpe laufen mit Strom. Ohne Strom bleibt die Heizung kalt, auch wenn das Gas weiter anliegt. Im Winter ist das nach wenigen Stunden das drängendste Problem, nicht das Licht.
Das Wasser. In Ein- und Zweifamilienhäusern kommt meist noch Wasser aus dem Hahn, weil der Druck im Netz eine Weile hält. In höheren Gebäuden arbeiten Druckerhöhungsanlagen mit Strom. Fällt der aus, ist ab dem dritten oder vierten Stock Schluss.
Dazu kommen Dinge, an die niemand denkt: Der elektrische Türöffner geht nicht, der Aufzug steht, Kartenzahlung funktioniert nicht, und Geldautomaten geben nichts aus. Das BBK empfiehlt deshalb ausdrücklich, Bargeld im Haus zu haben.
Was das BBK empfiehlt
Die Behörde nennt eine überschaubare Liste, und in ihr steht keine Powerstation:
- Ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio, um Mitteilungen der Behörden zu verfolgen.
- Geladene Akkus in Laptop und Telefon, dazu Ersatzakkus oder eine Powerbank.
- Bargeld, weil Geldautomaten ausfallen.
- Für die Wärme: warme Kleidung und Decken, ein Aufenthaltsraum mit geschlossenen Türen, regelmäßiges Lüften. Wer Kamin oder Ofen hat, sollte Brennstoff vorrätig haben.
- Zum Kochen: Campingkocher oder Grill, aber niemals in der Wohnung. Es besteht Erstickungsgefahr.
Das ist der Maßstab, an dem sich eine Powerstation messen lassen muss. Sie ersetzt keinen einzigen dieser Punkte vollständig, sie macht mehrere davon bequemer.
Was eine Powerstation davon übernimmt
Ehrlich sortiert nach dem, was sie wirklich trägt.
Licht. Eine LED-Leuchte zieht 5 bis 10 Watt. Selbst ein kleines Gerät der 500-Wattstunden-Klasse betreibt damit tagelang Licht. Das ist der Fall, in dem eine Powerstation jede Kerze schlägt, samt Brandrisiko und Lüftungspflicht.
Kommunikation. Router und Smartphone brauchen zusammen etwa 15 bis 20 Watt. Ein Punkt, den man dabei kennen sollte: Der eigene Router nützt nichts, wenn der Straßenverteiler des Anbieters ebenfalls stromlos ist. Mobilfunkmasten haben Notstrom, aber nur für Stunden. Das batteriebetriebene Radio bleibt deshalb auf der Liste, auch wenn die Powerstation läuft.
Kühlschrank. Machbar, aber es ist der größte Verbraucher im Haushalt, der überhaupt in Frage kommt: 600 bis 900 Wattstunden am Tag. Ein Gerät der 1-Kilowattstunden-Klasse trägt ihn damit gut einen Tag. Die genaue Rechnung für einen Zwei-Personen-Haushalt steht im Ratgeber Notstrom fürs Haus.
Medizinische Geräte. Ein CPAP-Gerät braucht je nach Modell 30 bis 60 Watt und läuft an einer 1-Kilowattstunden-Powerstation mehrere Nächte. Wer auf ein solches Gerät angewiesen ist, sollte den Bedarf am eigenen Typenschild ablesen und nicht schätzen.
AC180P
DELTA 3 Plus
Wo sie nicht hilft
Der Punkt, an dem die meisten Ratgeber schweigen.
Heizen. Ein Heizlüfter zieht 2.000 Watt. Selbst wenn die Powerstation das liefert, ist sie nach 30 Minuten leer. Wärme aus einem Akku ist die teuerste Energieform, die es gibt. Die Antwort auf Kälte sind Decken, ein Raum und, wenn vorhanden, ein Ofen.
Kochen. Ein Wasserkocher zieht 1.800 bis 2.200 Watt und braucht für einen Liter rund 100 Wattstunden. Das geht ein paar Mal, aber Kochen im eigentlichen Sinn ist Aufgabe des Campingkochers.
Warmwasser. Ein Durchlauferhitzer arbeitet mit 18 bis 27 Kilowatt. Das ist nicht eine Größenordnung zu viel, sondern zehn.
Die fest verdrahtete Heizung. Die Umwälzpumpe einer Gastherme bräuchte je nach Alter nur 20 bis 150 Watt, aber sie hängt nicht an einer Steckdose. Wer das ernsthaft vorhat, braucht eine Einspeisemöglichkeit vom Fachbetrieb.
Wie lange reicht welche Größe
Grundlast heißt hier: Licht, Router, zwei Smartphones und der Kühlschrank, aber keine Heizung, kein Herd, kein Warmwasser.
| Klasse | Beispiel aus unserem Test | Kapazität | reicht etwa |
|---|---|---|---|
| 500 Wh | Bluetti AC60 | 403 Wh | einen halben Tag |
| 1 kWh | Bluetti AC180P | 1.440 Wh | knapp zwei Tage |
| 1 kWh | EcoFlow DELTA 3 Plus | 1.024 Wh | gut einen Tag |
| 2 kWh | EcoFlow DELTA 2 Max | 2.048 Wh | zwei bis drei Tage |
| Quelle: Kapazitäten aus unseren Datenblättern, Tagesbedarf gerechnet · 29.08.2026 | |||
Diese Zahlen gelten ohne Nachladen. Mit einem Solarpanel ändert sich die Rechnung grundlegend, aber nur im Sommer verlässlich. Im Dezember liefert dieselbe Modulfläche einen Bruchteil. Was dabei realistisch ist, steht im Ratgeber zum Solarladen.
Der 10. September als Probe
Am 10. September 2026 ist Bundesweiter Warntag. Gegen 11 Uhr geht eine Probewarnung an alle Kanäle, gegen 11:45 Uhr kommt die Entwarnung. Der Tag testet die Warnkette, nicht die Stromversorgung. Er ist aber ein guter Anlass, die eigene Vorsorge einmal im Jahr durchzugehen:
- Ist die Powerstation geladen? Lithium-Eisenphosphat-Zellen verlieren im Stand wenig, aber „wenig” ist nicht „nichts”. Zweimal im Jahr nachladen genügt.
- Funktioniert das Radio, und sind Batterien dafür da?
- Liegt Bargeld im Haus?
- Weiß jeder im Haushalt, wo Taschenlampen liegen?
- Ist das Ladekabel für das Auto griffbereit, falls die Powerstation unterwegs geladen werden muss?
Fünf Minuten Aufwand, einmal im Jahr. Das ist der Teil der Vorsorge, den kein Gerät übernimmt.
Häufige Fragen
Was tun bei Stromausfall in der Wohnung?
Zuerst prüfen, ob nur die eigene Wohnung betroffen ist: Sicherungskasten ansehen, aus dem Fenster schauen, ob bei den Nachbarn Licht brennt. Bei einem großflächigen Ausfall gilt die Empfehlung des BBK: batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio einschalten und Mitteilungen der Behörden verfolgen, Kühlschrank und Gefriertruhe geschlossen lassen, elektrische Geräte vom Netz trennen, damit sie beim Wiedereinschalten nicht alle gleichzeitig anlaufen. Kerzen nur unter Aufsicht und mit regelmäßigem Lüften.
Wie lange dauert ein Stromausfall in Deutschland typischerweise?
Das BBK schreibt, dass Stromausfälle in der Regel in wenigen Stunden behoben werden. Bei großflächigen Schäden, etwa nach schweren Stürmen, starkem Schneefall oder Hochwasser, kann es aber Tage dauern. Auf diese zwei Fälle sollte man sich unterschiedlich vorbereiten: für Stunden reicht eine geladene Powerstation, für Tage braucht es Nachladen und einen Plan für Wärme und warme Mahlzeiten.
Kann eine Powerstation die Heizung im Stromausfall betreiben?
Bei einer Gastherme oder Ölheizung im Prinzip ja, denn dort braucht nur die Steuerung und die Umwälzpumpe Strom, je nach Alter der Pumpe zusammen 20 bis 150 Watt. Der Haken ist der Anschluss: Die Heizung hängt fest verdrahtet am Hausnetz, nicht an einer Steckdose. Ohne eine vom Fachbetrieb gesetzte Einspeisemöglichkeit lässt sie sich nicht einfach an eine Powerstation hängen. Eine Wärmepumpe scheidet ohnehin aus, sie zieht ein Vielfaches dessen, was eine tragbare Powerstation liefert.
Reicht eine Powerstation für den Kühlschrank im Blackout?
Für rund einen Tag, wenn es ein Gerät der 1-Kilowattstunden-Klasse ist. Ein Kompressorkühlschrank braucht über 24 Stunden verteilt 600 bis 900 Wattstunden. Wichtiger als die Kapazität ist in den ersten Stunden aber etwas anderes: Ein geschlossener Kühlschrank hält die Temperatur mehrere Stunden von allein. Es lohnt sich also, ihn erst anzuschließen, wenn absehbar ist, dass der Ausfall länger dauert.
Was ist der Bundesweite Warntag und wann ist er 2026?
Der Bundesweite Warntag ist ein gemeinsamer Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen, an dem das Zusammenspiel der Warnsysteme getestet wird. 2026 fällt er auf den 10. September. Gegen 11 Uhr wird eine Probewarnung verschickt, gegen 11:45 Uhr folgt die Entwarnung. Der Tag eignet sich gut, um die eigene Vorsorge zu prüfen: Ist die Powerstation geladen, funktioniert das Radio, liegt Bargeld im Haus?
Powerstation oder Notstromaggregat für den Blackout?
Für Wohnungen und die meisten Häuser die Powerstation, weil sie ohne Abgase im Innenraum läuft, leise ist und keine Wartung braucht. Ein Generator lohnt sich erst bei Ausfällen über mehrere Tage ohne Nachlademöglichkeit oder bei hohen Dauerlasten. Der Vergleich mit Zahlen steht im Ratgeber zu Notstrom fürs Haus.
Michael Dymny
Gründer und Redakteur · Veröffentlicht am 10. September 2026
Quellen
- BBK, Vorsorge und Handeln bei Stromausfall
- BBK, Bundesweiter Warntag am 10. September 2026
- BBK, Ratgeber und Checklisten zur Vorsorge
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